Das sind die Highlights an den vier DM-Tagen von Berlin

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Die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) ist wunderschön herausgeputzt, die Fernsehkameras von ARD und ZDF für die täglich abwechselnden Liveübertragungen der A-Finals bereits aufgestellt. Alles ist bestens vorbereitet für die Deutschen Meisterschaften im Schwimmen (06. – 09. Juli), werfen wir also einen Blick auf die Höhepunkte der vier Wettkampftage.

DONNERSTAG (06. Juli):

Gleich das erste Finale am Donnerstagnachmittag verspricht besondere Rasanz. Denn Südafrikas Superstar Chad le Clos, der seit dieser Saison bei Dirk Lange bei der SG Frankfurt trainiert und als Mitglied eines deutschen Vereins startberechtigt ist, sorgt hier für internationales Flair. Gegen den Olympiasieger und mehrfachen Weltmeister will sich nicht nur WM-Starter Eric Friese (Potsdamer SV) behaupten, sondern auch Marius Kusch (SG Essen). Nach Bronze bei der Kurzbahn-WM in Melbourne (AUS) will der 30-Jährige sicher zeigen, dass trotz verpasstem WM-Ticket weiter für Paris (FRA) 2024 mit ihm zu rechnen ist. Und dann mischt auch noch Luca Nik Armbruster (SG Neukölln) mit, der in diesem Jahr deutschen Rekord über 50m Schmetterling (23,02 Sekunden) geschwommen ist.

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Spannend wird anschließend sein zu sehen, wie nah Angelina Köhler ihrem im April an gleicher Stelle aufgestelltem Landesrekord über 100m Schmetterling (57,22 Sekunden) kurz vor der Abreise zur WM nach Japan kommt. Die 22-Jährige hatte im vorigen Jahr diese Disziplin noch für Hannover 96 gewonnen, nach dem Umzug vor einem Jahr nach Berlin startet sie diesmal für die SG Neukölln bei den Titelkämpfen. „Ich komme wahrscheinlich mit meinem pinkfarbenen Mountainbike zur SSE gedüst, ich wohne nicht weit weg“, erzählte Köhler im Interview. „Ich war schon vorige Woche in Rom mit 57,6 ziemlich schnell. Deswegen ist die Hoffnung groß, dass ich auch in Berlin eine sehr gute Leistung abliefern kann.“

Über 200m Rücken kommt es nicht nur zum spannenden Duell Altmeister (Christian Diener) gegen Youngster (Cornelius Jahn), auch Freistil-Europameister Lukas Märtens rechnet sich auf dieser Strecke diesmal Titelchancen aus. Im Nachwuchsbereich war Rücken nämlich noch seine Paradedisziplin gewesen. Und so kurz vor der WM ist die Form schließlich ganz gut: „Da werden auf jeden Fall gute Zeiten dabei herauskommen“, erklärte Märtens im Interview. Bei der ersten DM-Entscheidung am Vormittag tritt er übrigens mit Schwester Leonie Märtens und Freundin Isabel Gose bereits in der Mixedstaffel über 4x200m Freistil als Favorit an. Und möchte da sicher ebenfalls eine Topzeit zeigen.

 

 

FREITAG (07. Juli):

Am Freitag rückt Anna Elendt (SG Frankfurt) beim Rennen über 100m Brust ins Rampenlicht, die im Vorjahr mit WM-Silber und deutschen Rekorden auf allen drei Bruststrecken den ganz großen Durchbruch geschafft hatte. Natürlich ist nun eine gute WM-Generalprobe ihr Ziel für Berlin: „Ich habe an vielen Sachen gearbeitet in diesem Jahr. An meinen Unterwasserphasen, an Startsprüngen und Wenden. Ich merke, dass ich da besser geworden bin“, sagte die US-Studentin im Interview vorab, in dem sie auch über das gemeinsame Training mit Olympiasiegerin Lydia Jacoby (USA) sprach. Nicht minder verheißungsvoll ist Elendts Vereinskollege Lucas Matzerath bei den Männern unterwegs. Nach EM-Bronze 2022 will er nun „den nächsten Schritt machen“. Dem deutschen Rekord (58,95) näherte er sich zuletzt bereits auf 14 Hundertstel an. Als Saisonziel hat Matzerath eine Zeit unter 59 Sekunden ausgegeben.

Über 800m Freistil zeigt sich auch eine der Disziplin mit der höchsten Leistungsdichte in Deutschland. Obwohl Florian Wellbrock und Oliver Klemet an diesem Tag schon zur Akklimatisierung für ihre WM-Rennen im Freiwasser in Japan ankommen und Lukas Märtens am Freitag lieber über 100m Rücken einmal seinen WM-Kollegen Ole Braunschweig ärgern will, sind hier dennoch absolute Topzeiten zu erwarten. Weil Sven Schwarz (Waspo Hannover) auch unter der WM-Norm geblieben war und Henning Mühlleitner (Sport-Union Neckarsulm) vor seinem Einsatz bei der Universiade in Chengdu (CHN) seine Form testen will. Der Olympiavierte von Tokio (JPN) trainiert neuerdings übrigens am Berliner Bundesstützpunkt. Über 400m Freistil zeigt Isabel Gose auf einer weiteren ihrer WM-Strecken ihren aktuellen Leistungsstand, nach der Mixedstaffel und den 1500m Freistil am Vortag könnte hier schon der Titel-Hattrick für sie anstehen.

 

SAMSTAG (08. Juli):

Wer die schnellste Schwimmerin im Land ist, zeigt sich zur besten Sendezeit am Samstagnachmittag. Nur rund 25 Sekunden dauert das kürzeste Rennen dieser Titelkämpfe über 50m Freistil, die Besten brauchen dafür nicht mal einen Atemzug. Jessica Felsner (Köln) gegen Angelina Köhler (Berlin) gegen Hannah Küchler (AMTV-FTV Hamburg): Bei diesem Dreikampf gewinnt letztlich diejenige, die von Reaktionszeit bis Anschlag alles auf den Punkt bringt. Genauso eng geht es sicher auch über die 200m Freistil zu, hier treffen mit Leonie Kullmann, Nele Schulze (beide SG Neukölln) und Nina Holt (SG Mönchengladbach) drei WM-Staffelschwimmerinnen auf Titelverteidigerin Julia Mrozinski (SC Wiesbaden), die das Japan-Ticket diesmal verpasst hat. Ungewöhnlich ist der Werdegang von Holt: Im vorigen Jahr war sie noch Weltmeisterin im Rettungsschwimmen, wechselte dann zu Bernd Berkhahn nach Magdeburg, qualifizierte sich auf Anhieb für die WM und könnte nun erstmals sogar Deutsche Meisterin werden.

Bei den Männern stehen ebenfalls die 200m Freistil im Fokus, bei denen die beiden WM-Starter Rafael Miroslaw (SG HT16 Hamburg) und Timo Sorgius (SSG Leipzig) ihren neuen Leistungsstand präsentieren wollen. Titelverteidiger ist dabei Sorgius, im Vorjahr fand die DM allerdings gleichzeitig zur WM statt. Über 200m Schmetterling wollen David Thomasberger (Leipzig) und Ramon Klenz (Neckarsulm) im Sog von Olympiasieger Chad le Clos sicher ihre Ambitionen in Richtung Paris 2024 unterstreichen. Auch Klenz ist zuletzt wieder nach Berlin zurückgekehrt.

 

SONNTAG (09. Juli):

Über 50m Schmetterling hat Luca Nik Armbruster im April den deutschen Rekord eingestellt (23,02), für die WM in Japan qualifizieren konnte er sich aber über 100m Freistil. In Fukuoka konzentriert er sich dann auch voll auf die Staffel über 4x100m Freistil, die sich für Olympia in Paris 2024 qualifizieren soll, in Berlin kann er seine kurze Lieblingsstrecke („Leider ist sie nicht olympisch“) als Titelverteidiger aber per Doppelstart noch einmal bestreiten. Wird bestimmt ein schnelles Ding.

Ein illustres Feld ist auch über 50m Freistil angemeldet. Favorit ist hier der Ungar Szebasztián Szabó (SG Frankfurt), Deutschlands WM-Starter Peter Varjasi (TB 1888 Erlangen) wird aber dagegenhalten wollen. Mit Stefano Razeto (ST Erzgebirge/Jahrgang 1986) ist hier auch der älteste DM-Teilnehmer am Start. Und auch Alaa Maso (Waspo Hannover) ist hier dabei. Anders als Yusra Mardini, die ihre Sportkarriere gerade offiziell beendete, wird der syrische Flüchtling auch bei der WM in Japan wieder im Refugee-Team dabei sein. „Auf meiner Reise möchte ich den Menschen zeigen, dass es sich immer auszahlt, an sich selbst zu glauben, alles zu geben und das zu lieben, was man tut, wenn man einen Traum hat – egal wie schwer er scheint und egal wie viele Hindernisse es gibt“, sagte er.

Bei den Frauen bestreitet Nele Schulze die 100m Freistil als eine der Favoritinnen. Im vergangenen Jahr hatte sie zwei Meistertitel im Brustschwimmen gewonnen. „Welche Strecken ich in Zukunft bevorzugt angehe, ist noch offen. Aber jetzt habe ich mich im Freistil für die WM qualifiziert, deswegen konzentriere ich mich in diesem Sommer darauf“, erklärte die 19-Jährige. Die Bruststrecken dürften in diesem Jahr jedenfalls Anna Elendt gehören, mit den 200m-Rennen am Sonntag ist das Triple möglich.

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