Lukas Märtens kratzt am Weltrekord – Riedemann und Armbruster auf dem Weg nach Paris

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Zum Auftakt der Deutschen Meisterschaften in Berlin versetzte Lukas Märtens das Publikum gehörig in Ekstase. Der 22-Jährige vom SC Magdeburg kraulte mit seinen 3:40,33 Minuten über 400m Freistil am Donnerstag nämlich haarscharf am 15 Jahre alten Weltrekord von Paul Biedermann (3:40,07) vorbei, der damals allerdings noch viel Auftrieb durch die inzwischen verbotenen Hightechanzüge erhalten hatte. Während der Jubel in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) nach dem Anschlag ob dieser fantastischen Leistung noch sehr lange nachhallte vor lauter Bewunderung, kletterte Märtens dann erstmals in seiner Karriere auf die Begrenzungsleine, um ausgiebig zu jubeln. Denn diese Weltjahresbestzeit ist vor den Olympischen Spielen in Paris (FRA) eine echte Kampfansage an die internationale Konkurrenz, die nach einem schwierigen Saisonstart mit einigen gesundheitlichen Zwangspausen nun so richtig Vorfreude schürt auf den Sommer. Und natürlich auch auf seine drei weiteren Starts an jedem der drei kommenden DM-Tage.

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Nicht nur die rasante Renngestaltung – Märtens lag vor der letzten von acht Bahnen noch deutlich unter der Weltrekordzeit – zeigte, dass er das Zeug zum großen Champion hat. Auch seine Reaktionen nach dem Rennen hatten etwas: „Das war fast Landesrekord zum Glück, aber den kann ich vielleicht beim nächstem Mal angreifen“, sagte Märtens beim Beckenrandinterview mit seiner ehemaligen Mannschaftskollegin Annika Bruhn. Ein Insiderwitz für seine Trainingskumpels, die den WM-Dritten intern immer mal wieder damit necken, dass der ebenfalls aus Sachsen-Anhalt stammende Ex-Weltmeister Biedermann bis heute noch alle Bestmarken auf seinen Paradesdisziplinen hält. Später ließ sich Märtens auch nicht einfach so in die womöglich belastende Favoritenrolle für Paris drängen. „Dass es jetzt schon so gut läuft, habe ich nicht erwartet. Aber ich setze mir weiter meine eigenen Ziele und tue gut daran, diese im Auge zu behalten“, so Märtens. „Es ist und bleibt eine Medaille. Und ich denke, ich kann um alle mitkämpfen.“

Der zweite deutsche Startplatz in dieser Disziplin geht an Oliver Klemet (SG Frankfurt), der bereits in der Vorwoche 3:42,81 geschwommen war, in Berlin kam Sven Schwarz (Waspo 98 Hannover/3:46,37) als Zweiter an diese Zeit nicht mehr heran.

Märtens hatte aber auch noch einen zweiten Grund zum Jubeln. Hinter Siegerin Isabel Gose, die über 400m Freistil in 4:02,48 Minuten bis auf neun Hundertstel an ihren eigenen deutschen Rekord herankam, sicherte seine zwei Jahre jüngere Schwester Leonie Märtens ihr erstes Olympiaticket. „Wir werden ein großes Familienfest machen, wenn wir zu Hause sind. „Und dann kriege ich auch den versprochenen Hund von meiner Mutter.“ Die noch ungeborene Chihuahua-Hündin soll in zwei Monaten dann übrigens den passenden Namen Paris erhalten.

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Ungefährdet deutsche Meisterin über 100 Meter Schmetterling wurde Weltmeisterin Angelina Köhler, in 57,61 Sekunden blieb sie auch ohne große Vorbereitung erneut unter der Olympianorm (57,92). „Der Titel ist mir sehr wichtig. Das war mein vierter deutscher Meistertitel in Folge seit 2021, das klingt auch nicht so schlecht“, meinte Köhler, die sich am Samstag auch noch über die doppelt so lange Distanz einmal ernsthaft ausprobieren will.

Bei den Männern kam es bei diesem Rennen zu einer echten Überraschung, denn Luca Nik Armbruster sicherte sich in 51,68 Sekunden nicht nur den Titel vor Eric Friese (Potsdamer SV/51,89), sondern dank seiner schnellen Vorlaufzeit (51,84) auch den Platz in der olympischen Lagenstaffel – für diese ist immer das Mittel aus Vor- und Endlauf maßgeblich. Mit seiner tollen Bestzeit verfehlte der 22-Jährige von der SG Neukölln Berlin sogar die Einzelnorm nur um eine winzige Hundertstelsekunde. „Bei Olympia dabei zu sein, ist unvorstellbar schön“, freute sich Armbruster. „Ich bin da mit Spaß rangegangen und habe versucht, nicht zu verkrampft oder ängstlich zu sein, und es hat funktioniert. Ich glaube, es lag an der Lockerheit.“

Über 100m Rücken setzen sich mit Laura Riedemann (SV Halle/1:01,34 Minuten) und Ole Braunschweig (SG Neukölln/54,21) die Favorit*innen durch, beide sind nun ebenfalls auf dem Weg nach Paris – vorbehaltlich der endgültigen Nominierung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). „Der Erfolg heute war definitiv nochmal sehr wichtig. Die Medaille kriegt wieder meine Oma“, freute sich Braunschweig. Und auch Pläne für den Sommer hat er längst, nachdem zwei Tage zuvor sein Bruder Malte Braunschweig das Ticket für die Paralympics gelöst hatte. „Das ist megageil. Ich überlege schon, in meinem Urlaub auch zu den Paralympics zu fahren und dann zuzugucken.“

Über 400m Lagen sorgte Noelle Benkler für eine Überraschung. Das 16-jährige Toptalent vom SV Nikar Heidelberg siegte in 4:48,07 Minuten vor Kim Herkle (SV Cannstatt/4:48,20). „Das ist ein Traum, der hier für mich wahr geworden ist“, sagte Benkler, die sich damit auch für die Europameisterschaften der Junior*innen im Juli in Vilnius (LTU) empfahl. Bei den Männern zeigte Cedric Büssing (SG Essen) bei seinem Sieg in 4:12,56, dass die Unterbietung der Olympianorm vor rund zwei Wochen kein Zufall gewesen ist. „Vor zwei Wochen bin ich Bestzeit geschwommen und hier jetzt nochmal fast an diese Bestzeit rangeschwommen, damit bin ich super happy“, sagte Büssing. Und kündigte für Olympia weitere Steigerungen an. Es geht also voran im deutschen Schwimmsport, nicht nur durch Lukas Märtens.

 

Alle Deutschen Meister*innen von Donnerstag:

400m Freistil Frauen: Isabel Gose (SC Magdeburg) 4:02,48

400m Freistil Männer: Lukas Märtens (SC Magdeburg) 3:40,33

100m Rücken Frauen: Laura Riedemann (SV Halle/Saale) 1:01,34

100m Rücken Männer: Ole Braunschweig (SG Neukölln Berlin) 54,21

100m Schmetterling Frauen: Angelina Köhler (SG Neukölln Berlin) 57,61

100m Schmetterling Männer: Luca Nik Armbruster (SG Neukölln Berlin) 51,68

400m Lagen Frauen: Noelle Benkler (SV Nikar Heidelberg) 4:48,07

400m Lagen Männer: Cedric Büssing (SG Essen) 4:12,56

4x100m Freistil Frauen: Waspo 98 Hannover (Alena Gemici, Greta Marlene Kolbeck, Victoria Suchantke, Lilly-Fay Wallbaum) 3:49,87

4x100m Freistil Mixed: SG Frankfurt (Sebastian Pierre-Louis, Chad Le Clos, Pia Helli Henning, Christina Lehr) 3:35,27

4x100m Lagen Mixed: SG Frankfurt (Masniari Wolf, Melvyn Faber-Billot, Chad Le Clos, Christina Lehr) 3:55,05

 

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